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| KNIE |
Gelenksbeschreibung
Anatomie |

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Kniegelenk - Articulatio genus oder das
"Kreuz (X) mit den Bändern"
Das Kniegelenk ist das größte
Gelenk des menschlichen Körpers und
wird im Alltag, wie auch im Sport stark
belastet. Die Kraftübertragung aber
auch die Stabilisierung des Gelenkes erfolgt
aktiv über Muskeln und Sehnen. Die
passive Stabilisierung des Gelenkes erfolgt
über Bänder und den halbmondförmigen
Knorpelfaserscheiben, den Menisken.
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Häufige
Verletzungen |
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Meniskusverletzungen
sind die häufigsten am menschlichen
Kniegelenk. Ca 20.000 Spitalsfälle
pro Jahr in Österreich mit über
70.000 Spitalsaufenthaltstagen können
dieser Verletzung zugeordnet werden. Sowohl
durch Gewalteinwirkung bei Stürzen,
aber auch beim einfachen Aufstehen aus der
Hocke kann der Meniskuskörper einreißen.
Dies führt dann oftmals zu einer schmerzhaften
Gelenksblockade bzw. zum typischen Druckschmerz
am Gelenksspalt.
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In Abhängigkeit von der Verletzung
erfolgt dann entweder eine arthroskopische
(durch Gelenksspiegelung) Teilentfernung
des gerissen Meniskus (so wenig wie möglich,
so viel wie notwendig) oder eine arthroskopische
Naht bzw. Rekonstruktion des gerissenen
Meniskuskörpers, um diesen zu erhalten.
Entgegen früherer Anschauungen weiß
man nun um die enorme Bedeutung des Meniskus
exakt Bescheid und versucht möglichst
viel vom Meniskusgewebe im Knie zu erhalten.
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Kreuzbandverletzungen
Wozu braucht man die X-Bänder? Sie
sind der Zentralpfeiler des Knies und laufen
gekreuzt durchs Gelenk. Gemeinsam mit den
Menisken, den Seitenbändern und der
umgebenden Muskulatur stabilisieren sie
das Kniegelenk. Diese Gelenkskonstruktion
erlaubt das sogenannte "Rollgleiten"
des Kniegelenkes. Nur so ist Skifahren,
Fußball, Squash, Tennis und die Ausübung
vieler anderer, uns liebgewonnener kniebelastender
Sportarten möglich.
Pro Knie gibt es ein vorderes und ein hinteres
X-Band. Hauptsächlich betroffen im
Ski- und Fußballsport ist das vordere
X-Band.
Ein häufiger Verletzungsmechanismus
ist z.B. beim Schilaufen das Verschneiden
auf der Innenkante. Durch die dabei auftretende
verstärkte X-Bein-Stellung sowie das
gleichzeitige Beugen und Auswärtsdrehen
kann es zu schweren Bandverletzungen kommen.
Was dabei im Detail passieren kann, sehen
Sie auf den Graphiken, die durch das Klicken
auf nebenstehendes Bild angezeigt werden.
Zuerst reißt das Innenband, dann meist
die Meniskusaufhängung innen, dann
das vordere Kreuzband und zum Schluß
bei viel Pech auch noch das hintere Kreuzband.
In Österreich verletzen sich jährlich
ca. 30.000 Wintersportler beim Skilaufen
am Kniegelenk.
2 Drittel davon sind Gäste aus dem
Ausland. Das heißt, dass sich ca.
10.000 Österreicher pro Saison am Knie
verletzen. 70% der Verletzten suchen eine
Unfallambulanz auf um sich erstversorgen
zu lassen, während 30% ohne Abklärung
direkt nach Hause fahren.
Nicht immer verursacht ein schwerer Sturz
oder eine Kollision die Verletzung, sondern
es kann auch völlig banal durch ein
sehr langsames Verdrehen des Kniegelenkes
im Stehen oder durch ein Überstrecken
zum Riss des vorderen Kreuzbandes kommen.
Was kann das vordere X-Band?
Es verhindert die sogenannte "vordere
Schublade" (der Unterschenkel läßt
sich dabei über den Normalzustand nach
vorne ziehen) des Kniegelenks.
Das hintere Kreuzband ist stärker ausgeprägt
und wesentlich seltener betroffen. Es ist
ein Irrtum zu meinen, ein gerissenes vorderes
X-Band könne man mit viel Muskulatur
vollständig ersetzen. Dies mußten
selbst topfitte SkirennläuferInnen
wie Alexandra Meisnitzer, Pamila Wiberg,
Janica Kostelic einsehen. Auch sie waren
nur bedingt in der Lage den Verlust des
Kreuzbandes auszugleichen.
Ebenso können die oftmals angelegten
Knieschienen, genannt Orthesen, die optisch
durch Farbe und Design durchaus was hermachen,
eine Knieinstabilität nicht vollständig
ausgleichen. |
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Therapieformen |
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Wichtig bei Knieverletzungen!
Man darf Knieverletzungen NIE unterschätzen,
denn man hat ja nur 2 Kniegelenke für
den Alltag und zum Sporteln.
Daher mein Tipp: Falls es im Knie geschnalzt
hat, suchen Sie bitte die nächste Unfallabteilung
auf und unterziehen Sie sich einer entsprechenden
Untersuchung. Diese klinische Untersuchung
ist bereits enorm aussagekräftig und
in 90% der Fälle kann bereits vom erfahrenen
Unfallchirurgen die richtige Diagnose gestellt
werden.
Zusätzlich wird standardmäßig
ein Röntgen in 2 Ebenen angefertigt
um knöcherne Verletzungen auszuschließen.
Als weitere Untersuchung steht die Magnet-Resonanz-Tomographie
(MRT) zur Verfügung. Das ist eine Schichtuntersuchung
ohne Strahlenbelastung, durch die man wichtige
Zusatzinformationen, z.B. begleitende Meniskusverletzungen,
Knorpelschäden etc., gewinnen kann.
Operationszeitpunkt!
Der Patient sollte unmittelbar nach dem
Unfall im nächstgelegenen Unfallspital
untersucht werden. Normalerweise kann es
anschließend ins heimatliche Krankenhaus
oder zum Arzt seiner Wahl fahren, um dort
weiterbehandelt zu werden.
Aus zahlreichen Studien wissen wir, dass
der Kreuzbandersatz eines isolierten gerissenen
vorderen X-Bandes nicht akut zu operieren
ist.
Erst wenn das Kniegelenk wieder abgeschwollen
und frei beweglich ist, sollte die Operation
durchgeführt werden. Dies ist in der
Regel 6 Wochen nach der Verletzung der Fall.
In der Zeit zwischen Verletzung und Operation
wird das Knie mittels Physiotherapie und
abschwellender Maßnahmen auf die Operation
vorbereitet.
Sollten Begleitverletzungen wie Meniskusabrisse
von der Gelenkskapsel im MRT zu erkennen
sein, eventuell ein Knorpelschaden vorliegen
oder mehrere Bänder verletzt sein,
so wird die Operation eher frühzeitig
durchgeführt.
Zu erwähnen ist noch, dass nicht bei
jedem Patienten ein Kreuzbandersatz zwingend
erforderlich ist. |
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Was wird operiert?
Fast immer muß das zerrissene X-Band
durch eine körpereigene Sehne ersetzt
werden, wir nennen dies X-Band-Plastik.
Das hat jedoch mit Plastik im Sinne von
Kunststoff überhaupt nichts zu tun,
sondern es bedeutet Sehnenersatz durch körpereigenes
Gewebe. Welche Sehne genommen wird hängt
nicht nur von der Verletzung ab, sondern
auch vom Anspruch des Patienten und der
Wahl durch den Chirurgen. Entnommen werden
die Sehnen entweder von der Kniescheibensehne
(Lig. Patellae), von Kniebeugersehnen (Semitendinosus
& Gracilis) oder vom Oberschenkelsehnenspiegel
(Quadrizeps).
Die X-Bandersatz-Operation erfolgt unter
arthroskopischer Kontrolle, das heißt
unter Kamerasicht und wird daher mit kleinen
Hautschnitten erledigt. Die Verankerung
des neuen Bandes erfolgt exakt an den anatomischen
Punkten, wo Mutter Natur das gerissene Band
hinterlassen hat. Dazu gibt es sehr aufwendige
Zielinstrumente. Die alten Bandreste müssen
natürlich mit kleinen Stanzen und Fräsen
entfernt werden. Mittels Schrauben oder
konischen Knochenblöcken alleine (Press-Fit)
fixieren wir das neue X-Band in Knochenkanälen.
Der Eingriff dauert eine gute Stunde fürs
chirurgische Handwerk und sollte von erfahrenen
Kniechirurgen durchgeführt werden.
Falls eine Meniskus oder Knorpelverletzung
besteht, kann diese während der selben
Operation behandelt werden.
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Nachbehandlung:
Der stationäre Aufenthalt nach einer
Kreuzbandoperation beträgt ca. 4-5
Tage. Am Tag nach der OP wird meistens noch
eine Ableitungsdrainage entfernt und dann
kommt das Knie in die Hände der Physiotherapeuten
und auf eine Bewegungsschiene, wo es aktiv
und passiv durchbewegt wird. In aller Regel
darf und soll der Patient bereits 2 Tage
nach dem Eingriff voll auftreten, um dem
Muskelschwund vorzubeugen. Bei zusätzlicher
Knorpel- und Meniskusoperation ist jedoch
manchmal nur eine Teilbelastung und eine
beschränkte Bewegung erlaubt. Dies
wird mittels Orthese (Knieschiene) kontrolliert.
Es folgt dann eine intensive Phase der Physiotherapie
für 6-8 Wochen.
Fahrradtraining, Aquajoggen, Beinpresse
und Kniebeugen sind angesagt, damit die
Muskeln wieder funktionieren und das neue
X-Band schützen. Leichtes Lauftraining
ist meist nach 6-8 Wochen möglich.
Nach 4 Monaten sollten Sie wieder so fit
sein, dass Sie mit verstärktem Kraft-
und sportartspezifischem Training beginnen
können. Für 6 Monate ab Operation
ist jedoch jeder Wettkampf mit Vollbelastung
verboten!
Nach 6 Monaten erfolgt eine Abschlußkontrolle
mit Stabilitätstestung, Kraftmessung,
Einbeinsprung, Entengang etc., um die Kniefunktionen
und die Schutzreflexe zu überprüfen.
Fällt dieser Test gut aus dann dürfen
Sie wieder Ihre Lieblingssportarten ausüben. |
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Knorpelverletzungen
Die Gelenksflächen sind von Knorpel
überzogen. Gelenksknorpel besteht zu
80% aus Flüssigkeit und ist daher sehr
weich und leicht verletzlich.
Akute Gelenksknorpelverletzungen können
durch Gewalteinwirkung, z.B. durch Stürze
beim Schifahren entstehen. Sie können
alleine oder in Kombination mit Meniskus-
oder Bandverletzungen auftreten.
Die Knorpelschäden müssen immer
exakt abgeklärt werden. Neben der allgemeinen
sehr wichtigen klinischen Untersuchung wird
zusätzlich routinemäßig
ein Röntgen, wie auch eine MRT-Untersuchung
des Kniegelenkes durchgeführt. In Abhängigkeit
von der Ausprägung des Knorpelschadens
muß der Patient das Kniegelenk nach
der Operation teil- oder vollentlasten.
Der Knorpelschaden kann von kleinen Absplitterungen
bis hin zum großen Defekt mit darunter
freiliegendem Knochen reichen.
Es gibt mittlerweile zahlreiche gute Operationstechniken
so eine Knorpelreparatur durchzuführen.
Für große Knorpelschäden
kommen auch schon Knorpel-Zellzüchtungen
zum Einsatz. Dabei werden körpereigene
Knorpelzellen vom Patienten entnommen und
nach Anreicherung und Wachstum in einem
Labor in das betroffene Kniegelenk rücktransplantiert.
Diese Technik ist jedoch noch sehr teuer
und nur bei speziellen Knorpelschäden
anwendbar.
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Copyright
Dr. Klaus Dann, 2006 |
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